Partizip II bilden: Regeln und Übungen
24. Juli 2026 · 11 Min. Lesezeit · von Lukas
Ohne das Partizip II geht im Deutschen fast nichts: Es braucht für Perfekt, Plusquamperfekt und Passiv. Wer die Bildungsregeln für Partizip 2 Deutsch einmal verstanden hat, kann fast jedes Verb sicher formen. In diesem Artikel lernst du Schritt für Schritt, wie regelmäßige und unregelmäßige Verben, Verben auf -ieren sowie trennbare und untrennbare Verben ihr Partizip bilden.
Praxis & Beispiele
Regelmäßige Verben: ge- + Stamm + -t
Bei regelmäßigen Verben, auch schwache Verben genannt, bildest du das Partizip II mit dem Muster ge- + Verbstamm + -t. Machen wird zu gemacht, kaufen wird zu gekauft, lernen wird zu gelernt.
Endet der Verbstamm auf -t oder -d, wird zwischen Stamm und Endung ein -e- eingefügt, damit man das Wort aussprechen kann: arbeiten wird zu gearbeitet, reden wird zu geredet.
- Ich habe gestern Abend das Geschirr gespült.
- Wir haben am Wochenende viel Sport gemacht.
- Er hat den ganzen Tag an seinem Projekt gearbeitet.
Merke die Grundformel: ge + Stamm + t. Bei Stamm auf -t/-d kommt noch ein -e- dazu.
Unregelmäßige Verben: ge- + Stamm + -en
Starke, also unregelmäßige Verben, bilden das Partizip II meist mit der Endung -en statt -t, und häufig ändert sich dabei auch der Stammvokal. Diese Formen musst du wie Vokabeln auswendig lernen, weil sie nicht nach festen Regeln vorhersagbar sind.
Beispiele sind gehen – gegangen, sehen – gesehen, sprechen – gesprochen. Der Vokalwechsel folgt keiner einzigen Regel, deshalb lohnt es sich, die Formen in festen Dreiergruppen zu lernen: Infinitiv, Präteritum, Partizip II.
- Ich bin am Wochenende zu meiner Oma gegangen.
- Hast du den neuen Film schon gesehen?
- Wir haben lange über das Thema gesprochen.
Wichtige unregelmäßige Formen
Die folgende Tabelle zeigt einige der häufigsten unregelmäßigen Verben im Alltag mit ihrem Partizip II. Präge dir vor allem die Verben ein, die du selbst oft benutzt, etwa beim Sprechen über Reisen, Essen oder die Arbeit.
| Infinitiv | Partizip II | Hilfsverb |
|---|---|---|
| gehen | gegangen | sein |
| fahren | gefahren | sein |
| essen | gegessen | haben |
| trinken | getrunken | haben |
| schreiben | geschrieben | haben |
| nehmen | genommen | haben |
| helfen | geholfen | haben |
| finden | gefunden | haben |
| sein | gewesen | sein |
| werden | geworden | sein |
Tabelle seitlich scrollbar.
Verben auf -ieren: kein ge-
Verben, die auf -ieren enden, sind fast immer regelmäßig, bekommen aber kein ge- im Partizip II. Studieren wird zu studiert, telefonieren wird zu telefoniert, fotografieren wird zu fotografiert.
Der Grund liegt in der Betonung: Diese Verben werden auf der zweiten Silbe betont, und unbetonte Vorsilben wie ge- fallen bei solchen Verben im Deutschen weg.
- Meine Schwester hat drei Jahre lang Medizin studiert.
- Wir haben gestern mit unseren Freunden telefoniert.
Der Reporter hat die ganze Pressekonferenz fotografiert.
Trennbare Verben: -ge- in der Mitte
Bei trennbaren Verben steht das Präfix vor dem Verbstamm und wird im Perfekt nicht abgetrennt. Das ge- wird zwischen Präfix und Stamm eingefügt: aufstehen wird zu aufgestanden, einkaufen wird zu eingekauft, mitbringen wird zu mitgebracht.
Ob der Stamm dabei regelmäßig oder unregelmäßig ist, ändert sich durch das Präfix nicht — anrufen bleibt unregelmäßig und wird zu angerufen, weil rufen selbst unregelmäßig ist.
- Ich habe heute Morgen frisches Brot eingekauft.
- Hast du deine Kollegin schon angerufen?
- Wir sind sehr früh aufgestanden, um den Zug zu erreichen.
Untrennbare Verben: kein ge-
Verben mit den untrennbaren Vorsilben be-, ge-, er-, ver-, zer-, ent-, emp- und miss- bekommen im Partizip II kein zusätzliches ge-. Bezahlen wird zu bezahlt, verstehen wird zu verstanden, erklären wird zu erklärt.
Diese Vorsilben tragen selbst keinen eigenen Wortakzent, deshalb bleibt das ge- weg — genau wie bei den Verben auf -ieren.
- Ich habe die Rechnung schon bezahlt.
- Hast du die Aufgabe wirklich verstanden?
Wozu braucht man das Partizip II?
Das Partizip II ist der Baustein für viele wichtige Formen: das Perfekt (ich habe gemacht), das Plusquamperfekt (ich hatte gemacht) und das Passiv (es wird gemacht). Wer das Partizip sicher bildet, kann diese Zeitformen und Konstruktionen problemlos anwenden.
Außerdem wird das Partizip II oft als Adjektiv verwendet: das gekochte Ei, die geschriebene Nachricht. In dieser Funktion bekommt es dann sogar normale Adjektivendungen.
- Das gekochte Ei schmeckt heute Morgen besonders gut.
- Die reservierten Plätze sind leider schon belegt.
Häufige Fehler
Ich habe Deutsch gestudiert.
Ich habe Deutsch studiert.
Verben auf -ieren bekommen im Partizip II kein ge-, weil sie auf der zweiten Silbe betont werden.
Wir haben lange gesprecht.
Wir haben lange gesprochen.
Sprechen ist unregelmäßig und bildet das Partizip mit Vokalwechsel: gesprochen statt eines regelmäßigen -t.
Er hat die Wohnung geverlassen.
Er hat die Wohnung verlassen.
Untrennbare Vorsilben wie ver- bekommen kein zusätzliches ge- im Partizip II.
Ich habe gestern eingekauft gehen.
Ich bin gestern einkaufen gegangen.
Nach dem Hilfsverb im Perfekt kann kein weiterer Infinitiv wie gehen ohne passende Konstruktion stehen.
Sie hat den Brief geschreibt.
Sie hat den Brief geschrieben.
Schreiben ist unregelmäßig und endet im Partizip II auf -en, nicht auf -t.
Merkhilfe
Denk an drei Fragen: Betonte erste Silbe? → ge- davor. Trennbares Präfix? → ge- in die Mitte. Unbetonte Vorsilbe oder -ieren? → gar kein ge-.
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Zusammenfassung
- Regelmäßige Verben bilden das Partizip II mit ge- + Stamm + -t.
- Unregelmäßige Verben enden meist auf -en, oft mit Vokalwechsel, und müssen einzeln gelernt werden.
- Verben auf -ieren bekommen kein ge-, weil sie auf der zweiten Silbe betont werden.
- Trennbare Verben setzen das ge- zwischen Präfix und Stamm, etwa eingekauft.
- Untrennbare Verben mit be-, ver-, er-, ent- und ähnlichen Vorsilben bekommen ebenfalls kein ge-.
- Das Partizip II ist die Basis für Perfekt, Plusquamperfekt und Passiv.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob ein Verb regelmäßig oder unregelmäßig ist?
Es gibt keine hundertprozentig sichere Regel, aber viele unregelmäßige Verben gehören zum Grundwortschatz und ändern ihren Stammvokal, zum Beispiel sprechen, geben oder helfen. Am besten lernst du sie in Dreierlisten: Infinitiv, Präteritum, Partizip II.
Warum hat studieren kein ge- im Partizip?
Studieren endet auf -ieren und wird auf der zweiten Silbe betont. Solche Verben bekommen im Deutschen grundsätzlich kein ge- im Partizip II.
Wo steht das ge- bei trennbaren Verben?
Das ge- steht zwischen dem trennbaren Präfix und dem Verbstamm, zum Beispiel bei aufmachen: aufgemacht.
Ändert sich das Partizip II, wenn es als Adjektiv benutzt wird?
Die Grundform bleibt gleich, aber es bekommt zusätzlich eine Adjektivendung, zum Beispiel das gekochte Ei oder die geschlossenen Fenster.
Wenn du die vier Baumuster regelmäßig, unregelmäßig, -ieren und trennbar/untrennbar verinnerlicht hast, fällt dir das Partizip II bei jedem neuen Verb leichter. Übe am besten mit Verben aus deinem eigenen Alltag, damit sich die Formen schneller einprägen.
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