Modalverben: können, müssen, dürfen, sollen, wollen
22. Juli 2026 · 10 Min. Lesezeit · von Lukas
Ohne Modalverben klingt Deutsch schnell unhöflich oder ungenau, denn sie drücken aus, ob etwas möglich, nötig, erlaubt oder gewünscht ist. In diesem Artikel lernst du die fünf wichtigsten Modalverben Deutsch – können, müssen, dürfen, sollen, wollen – mit Konjugation, Satzbau und typischen Situationen aus dem Alltag.
Praxis & Beispiele
Was bedeuten die Modalverben? 🔑
Modalverben verändern die Aussage eines Satzes, indem sie eine Haltung oder Möglichkeit ausdrücken. Sie stehen fast nie allein, sondern zusammen mit einem zweiten Verb im Infinitiv.
Können drückt eine Fähigkeit oder Möglichkeit aus, müssen eine Notwendigkeit, dürfen eine Erlaubnis, sollen einen Rat oder Auftrag von außen, und wollen einen eigenen Wunsch oder Plan.
- Ich kann gut kochen.
- Wir müssen morgen früh aufstehen.
- Du darfst hier parken.
- Sie soll den Bericht bis Freitag abgeben.
- Er will nächstes Jahr nach Berlin ziehen.
Konjugation im Präsens
Modalverben sind unregelmäßig: In Singular ändert sich meist der Vokal, und die 1. und 3. Person Singular haben keine Endung.
Achte besonders auf müssen und dürfen, die im Singular oft verwechselt werden.
| Person | können | müssen | dürfen | sollen | wollen |
|---|---|---|---|---|---|
| ich | kann | muss | darf | soll | will |
| du | kannst | musst | darfst | sollst | willst |
| er/sie/es | kann | muss | darf | soll | will |
| wir | können | müssen | dürfen | sollen | wollen |
| ihr | könnt | müsst | dürft | sollt | wollt |
| sie/Sie | können | müssen | dürfen | sollen | wollen |
Tabelle seitlich scrollbar.
In der 1. und 3. Person Singular ist die Form immer identisch: ich kann = er kann.
Die Satzklammer: Modalverb Position 2, Infinitiv am Ende
Im deutschen Hauptsatz steht das Modalverb an Position 2, konjugiert nach Person. Das zweite Verb bleibt im Infinitiv und wandert ganz ans Satzende. Diese Struktur nennt man Satzklammer.
Zwischen Modalverb und Infinitiv können beliebig viele weitere Satzglieder stehen – die Klammer öffnet sich am Anfang und schließt sich am Ende.
- Ich muss heute Abend noch für die Prüfung lernen.
- Kannst du mir bitte kurz helfen?
- Wir wollen am Wochenende ins Kino gehen.
Meine Schwester will übernächste Woche mit ihrer Familie nach Österreich fahren.
Modalverben im Nebensatz
In Nebensätzen mit weil, dass oder wenn steht das Modalverb ganz am Ende, direkt nach dem Infinitiv des Vollverbs.
- Ich bleibe zu Hause, weil ich arbeiten muss.
- Sie sagt, dass sie das Auto nicht kaufen will.
Das Präteritum der Modalverben
In der gesprochenen Sprache benutzt man bei Modalverben fast immer das Präteritum statt des Perfekts, auch wenn man über die Vergangenheit spricht. Das macht Sätze einfacher.
Beim Präteritum verlieren die Modalverben den Umlaut, bekommen aber die typischen Präteritum-Endungen wie bei regelmäßigen Verben.
| Infinitiv | Präteritum (ich/er) |
|---|---|
| können | konnte |
| müssen | musste |
| dürfen | durfte |
| sollen | sollte |
| wollen | wollte |
Tabelle seitlich scrollbar.
- Letztes Jahr konnte ich noch kein Deutsch sprechen.
- Als Kind musste er jeden Tag Klavier üben.
- Wir durften früher nicht so lange draußen bleiben.
Perfekt mit Modalverben (ich habe gekonnt) klingt oft steif – im Alltag ist das Präteritum die natürlichere Wahl.
Modalverben im Alltag: Café, Büro und Reisen
Modalverben begegnen dir überall: beim Bestellen im Café, bei Regeln im Büro oder bei Reiseplänen mit der Familie.
- Entschuldigung, dürfen wir hier noch einen Kaffee bestellen?
- Im Büro müssen alle Mitarbeiter die neue Software nutzen.
- Wollt ihr im Sommer wieder zu euren Eltern fahren?
Häufige Fehler
Ich kann Deutsch zu sprechen.
Ich kann Deutsch sprechen.
Nach Modalverben steht der reine Infinitiv ohne zu.
Ich muss lernen heute Abend.
Ich muss heute Abend lernen.
Der Infinitiv steht immer am Satzende, nicht direkt nach dem Modalverb.
Du kannst nicht kommen heute?
Kannst du heute nicht kommen?
Bei Fragen steht das Modalverb an Position 1, das Vollverb bleibt am Ende.
Er hat gemusst arbeiten.
Er musste arbeiten.
In der gesprochenen Sprache benutzt man bei Modalverben meist das Präteritum statt des Perfekts.
Wir wollen dass er kommt mit.
Wir wollen, dass er mitkommt.
Im dass-Satz steht das konjugierte Verb ganz am Ende.
Merkhilfe
Merke: Modalverb an Position 2, das Vollverb ganz nach hinten – wie zwei Türsteher, die den Satz einrahmen.
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Zusammenfassung
- Modalverben drücken Fähigkeit, Notwendigkeit, Erlaubnis, Rat oder Wunsch aus.
- Sie sind unregelmäßig konjugiert, mit Vokalwechsel im Singular.
- Das Modalverb steht an Position 2, der Infinitiv des Vollverbs am Satzende.
- Im Nebensatz steht das Modalverb ganz am Ende, nach dem Infinitiv.
- In der gesprochenen Sprache wird meist das Präteritum statt des Perfekts benutzt.
Häufige Fragen
Steht nach Modalverben immer zu?
Nein, nach Modalverben steht der Infinitiv immer ohne zu, zum Beispiel ich kann kommen.
Wann benutzt man Präteritum statt Perfekt bei Modalverben?
In der gesprochenen Sprache wird bei Modalverben fast immer das Präteritum bevorzugt, auch bei Vergangenheit.
Warum heißt es ich kann, aber nicht ich könne im Alltag?
Ich könne ist Konjunktiv I und wird nur in indirekter Rede oder formellen Texten verwendet.
Was ist der Unterschied zwischen sollen und müssen?
Müssen drückt eine strikte Notwendigkeit aus, sollen eher einen Rat oder einen Auftrag von außen.
Mit diesen fünf Modalverben kannst du schon sehr viele Alltagssituationen sprachlich meistern. Übe die Satzklammer regelmäßig, dann wird sie dir bald automatisch gelingen.
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